Monika Frei-Herrmann Gestaltung | Fotografie
Monika Frei-HerrmannGestaltung | Fotografie

Meerjungfrau und die Liebe

Mit der kleinen Meerjungfrau fing alles an. Natürlich habe ich schon als Kind das Andersen-Märchen verschlungen und bittere Tränen geweint, weil es kein Happy-End gab. Allerdings hatte ich auch damals schon meine Zweifel, ob es sinnvoll ist, die magischen Kräfte einer Meerjungfrau für eine unsichere Liebe aufzugeben.

Als sich in den 70er die Gelegenheit bot, die kleine Seejungfrau in Kopenhagen zu fotografieren, war ich überglücklich. Seit dem hat mich die Faszination für  Meerjungfrauen, Wasserfrauen, Nixen und Sirenen nicht mehr losgelassen. Es sind unzählige Fotos entstanden.

Charakteristisches Merkmal der Meerjungfrau ist ihre Erlösungsbedürftigkeit. Meist handelt es sich um ein seelenloses Wesen, das nur durch die Liebe eines menschlichen Gemahls von seinem Schicksal befreit werden kann. Bei der Meerjungfrau kommt die Sehnsucht nach dem Unendlichen und der Vereinigung der Gegensätze zum Ausdruck.

Wasserfrauen

Die Wasserfrau symbolisiert die Kraft der Urgewalt, der Sehnsucht, das Fernweh. Aber auch die Freiheit, Unendlichkeit, Fruchtbarkeit und die Wildheit der Sexualität.

Charakteristisches Merkmal ist ihre positive Einstellung zum Menschen. In der Form der Wassermutter spendet sie Leben, Schutz und Segen, wie in der Rolle der Galionsfigur. In der Wasserbraut vermählt sie sich mit einem menschlichen Bräutigam und schenkt ihm ihre Liebe. Deutlich kommt bei ihr der positive Aspekt der „liebenden Mutter“ zum Ausdruck.

Galionsfigur

Eine Galionsfigur ist eine geschnitzte Figur, die am Bug eines Schiffes angebracht ist. Sie diente traditionell als Schmuck und sollte Glück bringen oder das Schiff beschützen. Oft stellte sie Meerfrauen und Nixen, mythologische Wesen, zarte und kraft­volle Frauen­gestalten, Tiere oder historische Persönlichkeiten dar.

Von der Mannschaft wurde die Galionsfigur als Schutz­patronin oder Talisman angesehen. Von ihr hing das Gelingen einer Reise ab. Im Glauben von Seeleuten soll die Galionsfigur den Kurs des Schiffes beobachten und es vor Unwettern bewahren. Ihre Beschädigung oder gar Zerstörung war ein böses Omen und signalisierte großes Unglück.

 

Galionsfiguren sind heute an Schiffen fast nicht mehr zu finden. Heute haben Schiffe schöne Namen. Die schönen alten Galionsfiguren zieren nun Kneipen, Restaurants oder Hausfassaden. Manche leben im Museum weiter. Eine aussergewöhnliche Sammlung an Galionsfiguren ist im Restaurant Gosch in List auf Sylt zu finden.

Seemanns­geschichte

Loop, min Deern

Wie wichtig die Galionsfigur für die Seefahrer der romantischen Seefahrt war, erzählen alte Seemanns­geschichten:

 

Als einmal ein Segelschiff nicht so lief, wie der Kapitän es gern wollte, befahl dieser einem Matrosen, der Galions­figur, einer rassigen Schönen, mit dem Schwapper sanft das Gesicht zu kitzeln und dabei zu sagen: „Loop, min Deern, loop to!“ Nach wenigen Augenblicken kam ein günstigerer Wind auf und das Schiff machte gute Fahrt.

 

 

Quell und BadeNixe  von Neuenbuerg

Badenixe von Neuenbuerg

Diese Galionsfigur, die jetzt im Museum Schloss Neuenbürg steht, zierte einst bis 1962 das Freibad von Neuenbuerg.

 

Das Bad ist bekannt für sein weiches, frisches Wasser, das aus einer eigenen Quelle stammt.

 

Möglicherweise war die geschnitzte Holzfigur ursprünglich am Bug eines Schiffes befestigt.

 

 

Die Tauber in Rothenburg ob der Tauber

Die Tauber, Tochter des Mains

In Rothenburg ob der Tauber gibt es einen uralten Wasserkult.

 

In den Weinbergen wird die Tochter Tauber (der Fluss) als Wasserfrau verehrt. Aber auch Vater Main wird als Wassermann dargestellt. Beide als Mischwesen, als Mensch mit Fischflosse

 

Im Weinkeller des Restaurant Glocke ziert eine in Holz geschnitzte Wasserfrau das grosse historische Eichenfass mit Frankenwein.

 

 

Vater Main kredenzt den Frankenwein

Frankenwein unter Wasserfrauverschluss

Die Tauber, anmutigste Tochter des Mains

Nixen und Sirenen

Charakteristisches Merkmal der Nixen oder Sirenen ist, dass sie den Menschen Gefahr, Schaden und Tod bringen, wenn diese die Naturgesetze übertreten oder verletzen. Sie betören bzw. verführen Männer und ziehen sie etwa auf den Grund von Flüssen und Seen. Manchmal warnen sie auch vor Gefahren.

Nixen haben nicht nur bezaubernde Stimme, sondern die Fähigkeit, alles auf Erden Geschehende zu wissen und offenbaren zu können.

 

Der Niedergang weiblicher Macht ist in der Entwicklungsgeschichte der Wasserwesen deutlich zu erkennen. Sind die Nixen und Sirenen noch allwissend, lassen sich die Wasserfrauen bereits auf das Nivau der Menschen ein, so empfinden sich die Meerjungfrauen den Menschen unterlegen, weil sie glauben, keine Seele zu haben. Die mächtigen Wasserwesen sind zwar unsterblich aber auch unglücklich, weil ihre Liebe in fast allen Sagen und Mythen tragisch endet.