Monika Frei-Herrmann Gestaltung | Fotografie
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In Erinnerung an meine Mutter

Irmgard Herrmann

*1. Juni 1922  -  † 9. Januar 1990

 

So oder so ist das Leben

Irmgard war die mittlere von drei Töchtern des Bahnbeamten Johann Heinrich und Elisabeth Müller in Eberstadt. Ein Studium zur Lehrerin war finanziell nicht möglich. Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung stieg sie schnell zur Assistentin der Geschäftsleitung der Kaufhalle auf. Darmstadt, Frankfurt, Mainz. Bad Godesberg wurde ihre neue Heimat, als sie Willy Herrmann heiratete und das Büro seiner Spedition leitete. Dort wurden mein Bruder und ich geboren. Irmgard wurde krank, die Ehe scheiterte, Scheidung. Das war in den 50er Jahren ein Skandal für Frauen. Die Fähigkeit, Kinder alleine zu erziehen, wurde einer Frau einfach abgesprochen. Es gab keine staatliche Unterstützung, aber immer die Drohung, die Kinder ins Heim zu stecken.

Sie schaffte es. Trotz vieler gesundheitlicher Rückschläge.

Bonn, neue Stelle als Sekretärin, neuer Freundeskreis, Kinder erwachsen. Dann erfüllte sich Irmgard ihren Traum von einer eigenen Wohnung in Bad Godesberg. Und sie fand das Glück in der Liebe.

 

Das Beste, aber Nachhaltig

Als Kind flüchtet Irmgard in die Welt der Bücher, da kann sie träumen, lernen, die Welt entdecken.

Mit Geschick und Geschmack näht sie sich ihre elegante Garderobe selber. Oper, Theater, Konzerte, Kino liebt sie sehr und wird mit Bedacht ausgewählt. Als alleinerziehende Mutter sind die finanziellen Mittel bei einem Sekretärinnengehalt knapp. Möbel, Porzellan, Haushalt, Küche, für alles wird erst gespart, nie auf Kredit gekauft. Nie billig. Auch Lebensmittel nur in guter Qualität, aber in kleinen Mengen. Reste werden verwertet, nichts wird weggeworfen. Statt Auto fährt sie Bus und Bahn.

Irmgard ist nachhaltig zu einer Zeit, als es das Wort noch nicht gibt.

Menschen gegenüber ist sie großzügig. Sie unterstützt ihre Familie, ermöglicht ihren Kindern ein Studium, verwöhnt ihre Gäste, macht Geschenke, spendet an Bedürftige.

Irmgards Arbeit als Sekretärin macht sie nicht glücklich. Aber sie genießt die Anerkennung und den Respekt ihrer Chefs, die Zuneigung der Kolleginnen und die Gewissheit, unentbehrlich zu sein.

 

Erinnerungen an meine Mutter in Bildern und Zeichnungen 

"Tot ist nur, wer vergessen wird."

 

In Gedanken, in der Erinnerung und in meinen Bildern ist sie immer da. Unvergesslich. Meine Zeichnungen, teils aus Kindertagen in den 50er und 60er Jahren, spiegeln unser Leben in Bad Godesberg und Bonn. Die Portraits in Pastellkreide und Acryl habe ich viel später nach Fotos gemalt. Die vier Buntstiftzeichnungen der Gebäude stammen aus dem Buch "Rheintochter".

Von meiner Mutter habe ich kochen gelernt: nachhaltig, gesund, preiswert. So ist vor ein paar Jahren das Kochbuch "Mein kulinarisches Erbe" entstanden mit vielen ihrer Rezepte und einer Einleitung :  >>Koch-Geschichten von Irmgard