Monika Frei-Herrmann Gestaltung | Fotografie
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Koch-Geschichten von starken Frauen aus einem Jahrhundert

Irmgard

Wenn eine Arbeit erledigt werden muss, wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann mach‘ sie perfekt, rationell, schnell, effektiv. Dann gibt dir wenigstens deine Arbeitsweise befriedigung und ein Hochgefühl.
Diese Lebensweisheit meiner Mutter war der Trend der Zeit, der 1950er und 1960er Jahre. Rationelles Arbeiten war angesagt, wurde erforscht und analysiert. Die Miniküche wurde entwickelt, jeder Hangriff analysiert, die kürzesten Wege ermittelt, Bewegungsabläufe studiert und optimiert.
Der Bestseller „Im Dutzend billiger“ (Biographie von Frank Bunker Gilbreth Jr. und Ernestine Gilbreth Carey, 1948) begeisterte meine Mutter. Das Buch wurde zur Vorlage, meinen Bruder und mich altersgerecht und effektiv an die unvermeidliche Hausarbeit heranzuführen.

 

Irmgard war damals schon eine „nachhaltige“ Hausfrau, die ihrer Zeit weit voraus war. Meine Mutter hat mich gelehrt, dass beste Qualität die Basis einer guten Küche ist. Schon früh hat sie mir beim Einkaufen auf dem Markt gezeigt, worauf zu achten sei, wann gute Qualität ihren Preis wert ist.

 

Meine Mutter war berufstätig, hatte also wenig Zeit für den Haushalt, aber hohe Ansprüche an eine gesunde Ernährung und das bei sehr wenig Geld. Das setzte gute Planung, vorteilhaftes Einkaufen und optimale Reste- oder Weiterverwertung voraus.

Ihre Alltags-Gerichte waren enfach, bestanden aus wenigen Zutaten und waren meistens schnell gekocht. In der Woche kochte sie vegetarisch, auch wenn man das damals nicht so nannte. Freitags gab es Fisch, Samstags Wurst und am Sonntag Fleisch.

 

Rezepte, die Irmgard liebte, hat sie aufgeschrieben und ohne die kleinste Änderung konsequent zubereitet. So auch die Rezepte ihrer badischen Schwiegermutter Pauline: Markklößchen-Suppe, Kalbsragout, Spätzle. Kuchen backen lag meiner Mutter auch sehr: Hervorragend war ihr Apfelkuchen oder Käsekuchen. Ein perfekter Kuchen war ihr Ehrgeiz und ihre Freude - natürlich sehr beliebt bei ihren Gästen und der Familie

 

Vermächtnis von meiner Mutter Irmgard

 

NudelPfanne mit Ei

Der Klassiker meiner Mutter waren Nudelgerichte mit Ei. Diese Gerichte erfüllten ihre Grundanforderungen für Alltagsgerichte: 1. Schnelle Zubereitung | 2. Günstig + meist vorrätig | 3. Ausgewogene Zusammenstellung für eine gesunde Ernährung | 4. Variabel durch frisches Gemüse je nach Jahreszeit | 5. Reste lassen sich integrieren | 6. Beliebt bei Kindern.

Muttis Linsen-Topf

Das Samstag-Ritual in unserer Familie ging so: Die Linsen mit viel Wasser aufkochen, Temperatur runter, Deckel drauf. Dann machten wir den Wocheneinkauf, auf dem Markt, beim Metzger usw.. Wenn wir nach ca. einer Stunde zurückkamen, waren die Linsen fast gar. Noch kurz Kartoffeln und Gemüse schälen, putzen, in Stücke schneiden und mitkochen. Würstchen oder Knoblauchwurst kleinschneiden und kurz miterhitzen, Linsen-Topf mit Salz und Pfeffer würzen und mit Essig abschmecken. Fertig.

Ragout fin Pastete oder Königinpastete

Zu Heilig Abend etwas leichtes, so dachte meine Mutter. Dabei meinte sie "leicht verdaulich" und auch "leicht zuzubereiten". Ragout fin Pastete - oder auch - Königinpastete ist recht zeitaufwendig, hat aber den Vorteil, dass es gut vorbereitet werden kann. Das Ragout aus Kalb und Hühnerfleisch wird am Vortag gekocht. Während am Heiligen Abend die Pasteten im Backofen aufbacken, wird das Ragout erwärmt, abgeschmeckt, in die Pasteten gefüllt, garniert und mit ein paar Handgriffen serviert.

Muttis Käsetorte

Dieses Rezept war der Klassiker der Backkünste meiner Mutter. Für ihre Käsetorte wurde sie hochgelobt. Alle Freunde, Gäste und die ganze Familie wollten immer wieder nur diese eine Käsetorte. Dabei konnte meine Mutter auch ganz vorzüglich andere Kuchen backen – aber eben diese Käsetorte wurde immer wieder nachgefragt.

 

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