Irmgard

Wenn eine Arbeit erledigt werden muss, wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann mach‘ sie perfekt, rationell, schnell, effektiv. Dann gibt dir wenigstens deine Arbeitsweise befriedigung und ein Hochgefühl.
Diese Lebensweisheit meiner Mutter war der Trend der Zeit, der 1950er und 1960er Jahre. Rationelles Arbeiten war angesagt, wurde erforscht und analysiert. Die Miniküche wurde entwickelt, jeder Hangriff analysiert, die kürzesten Wege ermittelt, Bewegungsabläufe studiert und optimiert.
Der Bestseller „Im Dutzend billiger“ (Biographie von Frank Bunker Gilbreth Jr. und Ernestine Gilbreth Carey, 1948) begeisterte meine Mutter. Das Buch wurde zur Vorlage, meinen Bruder und mich altersgerecht und effektiv an die unvermeidliche Hausarbeit heranzuführen.

 

Irmgard galt in ihrer Kindheit als faul, störrisch und überheblich. „Du meinst wohl, du bist was Besseres“, wurde sie von ihren Geschwistern gehänselt. „Geh‘, mach das Spülbecken sauber“, verlangte die Mutter. „Wer essen will, muss im Haushalt helfen“, war eine anderer Spruch. Gerne hätte Irm auf das Essen ihrer Mutter verzichtet, denn es war einfach nicht gut. Verbrannte Zwiebeln, klumpige Mehlsosse, verkochtes Gemüse, zwar frisch aus dem Garten, aber lieblos zubereitet. Irm verbarg ein Buch unter der Strickjacke und versteckte sich bei nächster Gelegenheit hinter dem Schuppen im Garten. Lesend träumte sie sich in eine andere Welt, fern von Putzlappen und Küchengerüchen.

 

Karl spielte mit dem Akkordeon auf. Die Hochzeitsgesellschaft folgte ihm tanzend, schunkelnd, lachend. Der 8. Juni war ein heißer Sommertag. Willy wirbelte seine strahlende Irm herum, konnte mit seinen Händen ihre schmale Taille umfassen. Der schönste Tag im Leben war da, jetzt.

 

Vermächtnis von meiner Mutter Irmgard in Mein kulinarisches Erbe

 

Kalbsragout

Familientradition
Kalbsragout ist unser Familienrezept. Meine Mutter lernte es von ihrer badischen Schwiegermutter,
die eine leidenschaftliche Köchin war. Als einzige Enkelin durfte ich ihr Kochbuch mit vielen persönlichen Einträgen erben. Bei diesem klassischen Rezept werden der Fleischgeschmack und das feine Aroma durch nichts verfälscht. Das Gericht ist einfach und schnell zubereitet. Wichtig ist, dass das Fleisch von bester Qualität, möglichst Bio, ist.

Muttis Linsen-Topf

Kocht sich fast von selbst

Das Samstag-Ritual in unserer Familie ging so: Die Linsen mit viel Wasser aufkochen, Temperatur runter, Deckel drauf. Dann machten wir den Wocheneinkauf, auf dem Markt, beim Metzger usw.. Wenn wir nach ca. einer Stunde zurückkamen, waren die Linsen fast gar. Noch kurz Kartoffeln und Gemüse schälen, putzen, in Stücke schneiden und mitkochen. Knoblauchwurst kleinschneiden und kurz miterhitzen, Linsentopf mit Salz und Pfeffer würzen und mit Essig abschmecken. Fertig.

Muttis Käsetorte

Familienerinnerung
Dieses Rezept war der Klassiker der Backkünste meiner Mutter. Für ihre Käsetorte wurde sie hochgelobt. Alle Freunde, Gäste und die ganze Familie wollten immer wieder nur diese Käsetorte. Dabei konnte meine Mutter auch ganz vorzüglich andere Kuchen backen – aber die Käsetorte wurde immer wieder nachgefragt.